Im Herbst 2014 erfüllte ich mir einen lang ersehnten Traum: Eine Rundreise auf Sizilien mit integriertem Sprachkurs.

Die Insel hatte es mir schon 1987 angetan, als unser Lateinkurs dorthin eine Studienreise unternahm. Seitdem ging mir Sizilien nicht mehr aus Kopf. 2011 konnte ich diesen Eindruck nochmal bestätigen als ich für 10 Tage einen Urlaub in Taormina verbrachte.

Für 2014 sollten es dann knapp 4 Wochen werden. Vorgestellt hatte ich mir eine Route über Agrigento, Palermo, Taormina und Marina di Ragusa. Von diesen Orten habe ich dann meine Besichtigungstouren gestartet. Neben den eben aufgezählten waren das:

  • Selinunte
  • Marsala
  • Bagheria
  • Cefalu
  • Catania
  • Syrakus
  • Ragusa
  • Enna
  • Modica
  • Vittoria und
  • Scicli
Mein treuer Begleiter für 4 Wochen: Fiat 500

Mein treuer Begleiter für 4 Wochen: Fiat 500

In Palermo bzw. Santa Flavia hatte ich den längsten Aufenthalt bedingt durch den Sprachkurs. Diesen hatte ich übrigens online gefunden: http://www.solemar-sicilia.it

Das schöne an dieser Organisation war die individuelle Betreuung durch Thomas. Er ist schon seit Jahrzehnten auf der Insel und vermietet auch Ferienwohnung zum Kurs (buchbar aber auch ohne Kurs). Meine Lehrerin Maria hat sich letztes Jahr  selbstständig gemacht und bietet auch Unterricht mit Übernachtung an: http://www.zagaraclubsiciliacorsilinguaitaliana.it

Agrigent, die Südküste Siziliens

Doch fangen wir von vorne an. Mein erster Aufenthalt war in Agrigent. Dort hatte ich mir eine Ferienwohnung in einem Apartmenthaus gebucht. Ein schönes Zimmer mit Ausblick auf das Meer in der Ferne. Auch das Tal der Tempel konnte man erahnen.

Blick vom Balkon in Agrigent

Blick vom Balkon in Agrigent

Dieses Tal ist bekannt für seine vielen Tempel (wer hätte das gedacht). Jedenfalls unternahm ich dorthin meinen ersten Ausflug und war angenehm überrascht: Eine sehr gepflegte Anlage über die man gerne schlenderte und sich von den tollen Säulen und Felsen faszinieren liess. Am Rand davon gibt es einen kleinen Geheimtipp: Die Gärten von Kolymbéthra.

Dort glaubt man in einem ganz anderen Land zu sein. Es geht in eine Senke hinab und alles wird grün. Bedingt durch die Tiefe gibt es viel mehr Wasser und dem Gedeihen von zahlreichen Zitrusbäumen und anderer Botanik steht nichts im Wege. Ein krasser Kontrast zu dem eher sandigen Gelände um die Tempelanlagen herum.

Die Stadt Agrigent selbst hat nicht soviel zu bieten. Es ist zwar eine typische italienische Kleinstadt, doch wären nicht die historischen Stätten in der Nähe, würde sie wohl in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Trotzdem war es ideal zum Eintauchen in das italienische Leben; wenig Tourismus und dadurch sehr ursprünglich. Wer Baden möchte, fährt am Besten zum nahen Hafen-Ort San Leone oder zum Spiaggia di Agrigento.

Fast hätte ich das wichtigste vergessen: Die türkischen Felsen! Scala dei Turchi genannt. Wunderschöne weisse Felsen, die sich ins Meer ziehen. Unbedingt besuchen!

 

Palermo, die Hauptstadt Siziliens

Östlich von Palermo war meine Unterkunft in Santa Flavia und meine Lehrerin besuchte mich dort direkt im Apartment, um mit mir Italienisch zu pauken. Den Rest der Zeit unternahm ich Ausflüge nach Palermo und Cefalu. Diese Städte lassen sich nicht vergleichen. Palermo als Großstadt und Cefalu gemütlich am Fusse eines Felsplateaus gebaut. Die eine Stadt mehr für Sehenswürdigkeiten und Shoppen, die andere zum Ausspannen und das Meer genießen. Trotzdem kann man auch in Palermo ins Wasser tauchen, auch wenn der hässliche Hafen und das Gebiet drumherum es nicht vermuten lassen. Im Ortsteil Mondello (im Norden von Palermo) gibt es eine tolle Bucht mit Sand und klarem Wasser: Mondello Beach!

Wer in Palermo ist, sollte unbedingt den Normannen-Palast, die Kathedrale von Palermo, den Brunnen Pretoria, den botanischen Garten und die Katakomben mit den Mumien (Catacombe dei Cappuccini) besuchen.

Taormina, die Perle Siziliens

Nach dem Aufenthalt in Palermo stand ein Treffen mit Freunden aus Deutschland in Taormina an. Ich holte Sie vom Flughafen Catania ab und weiter ging es zum Apartment in Taormina.

Auf dem Weg nach Catania besuchte ich übrigens noch kurz Enna, eine kleine Stadt auf einem Berg mitten in Sizilien. Leider hatte ich nicht viel Zeit zur Besichtigung, da der Flug meiner Freunde vorverlegt worden ist und ich nicht zu spät kommen wollte.

Taormina liegt auf einem Berghang und ist über eine Serpentinen-Straße zu erreichen. Kurz vor dem Ortseingang ist ein Parkhaus. Wer sich nicht im engen Trubel von Taormina verrückt lassen möchte (und richtige Parkplätze gibt es dort eh nicht), fährt dieses am besten an. Es gibt zwar noch ein anderes am anderen Ende der Stadt, was noch besser in den Ort führt, doch so ist es am entspanntesten (bis auf die Treppen, die noch zu besteigen sind).

In Taormina gibt es drei Dinge, die man unbedingt anschauen muss: Das griechische Theater mit wunderbarem Ausblick aufs Meer, den Platz am Corso Umberto (auch Suonatori Mediterranei Giuseppe e Gianni genannt) mit dem Cafe „Wunderbar“, wo man den teuersten Cappuccino der Insel bekommt und natürlich die Isola Bella, eine kleine Insel zu den Füssen von Taormina. Man erreicht sie zum Beispiel mit einer Seilbahn. Günstig ist die Fahrt nicht (wie fast alles in dem Ort); ich glaube es waren 4,- Euro pro Person und Fahrt.

Taormina ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Die Gassen sind typisch italienisch und der Blick aufs Meer ist traumhaft. Doch man darf nicht vergessen: Die Preise sind deutlich höher als normal, der Strand ist klein und hat keinen Sand. Alles ist recht eng und schnell fühlt man sich bedrängt von den vielen Touristen. Ratsamer ist es, dort nur wenige Tage zu verbringen oder in einem der anderen Küsten-Orte zu übernachten und nur abends nach Taormina zum Essen oder Flanieren zu fahren.

Der Strand nördlich von Letojanni ist zum Beispiel sehr lang und wunderschön. Zwar auch kein Sand, aber viel kleinere Steine als bei der Isola Bella.

Der Ätna

Ein Ausflug auf den Ätna darf eigentlich bei einem Sizilien-Aufenthalt nicht fehlen. Leider hatte ich es versäumt diesen rechtzeitig zu planen. Ich war davon ausgegangen, dass man auf eigene Faust dort hoch fährt, doch mittlerweile ist dies nur mit einer Führung möglich. Anscheinend ist der Vulkan gefährlicher als früher. Wir sind deshalb mit dem Auto eine Straße entlang des Vulkans gefahren und haben uns so einen Eindruck verschafft.

 

Weiter in den Süden: Syrakus, Ragusa, Modica und Umgebung

Von Taormina ging es weiter über Syrakus nach Marina di Ragusa; diesmal wieder alleine, für meine Freunde ging es wieder zurück nach Deutschalnd.

Syrakus und die Halbinsel Ortigia

Im Südosten Siziliens liegt die geschichtsträchtige Stadt Syrakus. Hier gibt es ein griechisches Theater, das Ohr von Dionysios, den Tempel von Apollo und einen prächtigen Dom. Da ich Syrakus schon von anderen Touren kannte, wollte ich nur erneut die Halbinsel Ortigia mit dem Dom und der tollen Altstadt besichtigen. Danach ging es weiter zu meiner letzten Unterkunft: Einem Hotel am Strand in Marina di Ragusa.

Die Gegend um Ragusa lag mir besonders am Herzen, da hier die Krimireihe „Montalbano“ gedreht wird und zwar schon seit 1999. Montalbano ist der Chef-Ermittler und man sieht immer besonders schöne Teile von Sizilien (insbesondere tolle Restaurants am Meer mit atemberaubendem Blick):
https://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Camilleri#Commissario_Montalbano

Von Marina di Ragusa hatte ich mir einen Ort ausgesucht, von dem ich ideal alle wichtigen Orte besuchen konnte: Ragusa, Modica, Scicli und Donnalucata.

Ragusa

Etwa 20 Kilometer von Marina di Ragusa liegt Ragusa, die in zwei Hälften geteilt ist: Ragusa Ibla (die Unterstadt) und Ragusa Superiore (der Obestadt). Ich parkte am Ortseingang und ging dann über die Oberstadt vorbei an der Kathedrale hniunter durch ein kleines bebautes Tal und wieder hinauf zur Unterstadt mit der Kirche San Francesco. Da ich zur Mittagszeit unterwegs war und auch noch an einem Sonntag, war alles sehr ruhig. Ich denke aber, dass es wie jede italienische Stadt auch seinen Trubel hat 😉

Modica und Scicli

Am nächsten Tag standen Modica und Scicli auf dem Programm. Beide Orte liegen dicht beiander und sind von kleineren Bergen umgeben, so dass es manchmal etwas steiler wird. Wer jedoch im Ortkern bleibt hat es bequem und eben. Besonders Scicli hat viele Kirchen, eine davon war 2014 leider gesperrt (Kirche San Matteo). Das merkte man jedoch erst nach einem Anstieg durch ein Wohngebiet mit vielen kleinen Gassen und ruinösen Wegen. In Scicli gibt es das Rathaus, welches in der Krimi-Reihe Montalbano als Kommissariat herhält und direkt um die Ecke eines der besten Restaurants von Sizilien: Ristorante Baqqalà. Noch nie habe ich einen so guten Tintenfisch gegessen. Alles war fantastisch, doch am Ende musste ich auch über 30,- Euro für ein Mittagessen hinlegen!

Alle Städte auf Sizilien haben eines gemeinsam: Sie sind selten durch hässliche Hochhäuser verschandelt. Meistens zeichnen sich die Orte durch ursprüngliche und historische Bauten aus. Ob es nun an der Not liegt und daran, dass die jüngeren Leute Sizilien und Italien verlassen, weil es keine Arbeit gibt; wer weiss?

Meine Recherchen zeigten, dass man in Palermo für eine 100qm Wohnung ca. 450,- Euro bezahlen muss. Dabei ist das Angebot überwältigend; ich zählte über 1500 freie Wohnungen zur Miete für die Hauptstadt Siziliens auf dem Immobilien-Portal immobiliare.it.

Catania

Bevor es zurück nach Deutschland ging, hatte ich noch eine Nacht in Catania geplant. Da der Flug sehr früh geplant war, wollte ich nicht noch eine weite Anreise haben. So wählte ich eine kleine Unterkunft im Zentrum. Leider – und dabei war es mir noch gut in Erinnerung vom letzten Besuch – besteht die Innenstadt nur aus Einbahnstraßen und die meisten Navis versagen. So ging es mir auch bei der Suche nach dem Hotel. Und natürlich, einmal nicht aufgepasst und ohne zu blinken in eine leere Parklücke gewollt, um die Lage zu checken – schon hatte ich einen Vespa-Fahrer erwischt. Nach einem ewigen Hinundher und einem Anruf mit der Mietwagen-Unfall-Zentrale, beließen wir den Unfall auf sich beruhen. Bei mir war ein kleiner Kratzer, bei ihm etwas von Plastikverkleidung abgebrochen. Klärung auf Sizilianisch?

Ansonsten hat auch Catania viel zu bieten: Das römische Amphitheater mitten in der Wohnbebauung, die Kathedrale, die Universität, die Gartenanlage, der Elefantenbrunnen und der große Fischmarkt. Da ich erst am Nachmittag ankam, blieb mir natürlich nicht viel Zeit; außerdem gingen beim letzten Ausflug auch noch die Akkus von der Kameras aus.. So mußte ich mit dem Handy fotografieren.